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Das Projekt

Weltweit und auch in unserem eigenen Land werden Bildungsprogramme in der Regel für Menschen ohne Behinderung konzipiert, und Menschen mit Behinderung werden oft erst nachträglich einbezogen. Dadurch entstand eine echte Lücke in der Bildung gehörloser und schwerhöriger Menschen. Als die Schulen während der Pandemie auf Fernunterricht umstellten, wurde diese Lücke noch deutlicher sichtbar: Live-Unterricht verfügte über keine Live-Transkription oder Untertitel, was für gehörlose und schwerhörige Menschen, die auf Lippenlesen angewiesen sind, ein ernsthaftes Hindernis darstellte. In Europa leben rund 80 Millionen Menschen mit einer Behinderung, und mehr als 70 % von ihnen leben an oder unterhalb der Armutsgrenze. Etwa 50 Millionen Menschen in Europa sind gehörlos oder schwerhörig; mehr als die Hälfte von ihnen ist arbeitslos, und die meisten derjenigen, die eine Beschäftigung finden, landen in schlecht bezahlten, gering qualifizierten Jobs. Der Mangel an Lehrkräften mit Gebärdensprachkenntnissen sowie das Fehlen von Bildungsmaterialien in Gebärdensprache erschwerten die Berufsausbildung für gehörlose und schwerhörige Menschen zusätzlich. Für den Bereich Gastronomie gab es kein vergleichbares Projekt. Also haben wir uns vorgenommen, diese Lücke zu schließen.

In Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen aus Deutschland, Portugal, der Türkei, Italien und Schweden haben wir uns zum Ziel gesetzt, die Hindernisse zu beseitigen, mit denen gehörlose und schwerhörige Menschen konfrontiert sind, die Koch oder Küchenchef werden oder eine Berufsausbildung in diesem Bereich absolvieren möchten. Unser Ziel war es, ihnen Zugang zu einem Fernlehrprogramm zu verschaffen, das sie wann und wo immer sie wollten nutzen können — vollständig kostenlos und für alle offen. Dazu haben wir ein Fernlernsystem entwickelt, das dem SCORM-Standard entspricht und Bewertung sowie Evaluation umfasst. Wir haben einen Lehrplan entwickelt, der gehörlosen und schwerhörigen Menschen dabei hilft, Koch oder Küchenchef zu werden oder ihre vorhandenen Fähigkeiten zu verbessern, und wir haben sämtliche Lerninhalte in der Gebärdensprache jedes Partnerlandes erstellt. Zudem haben wir für jedes Partnerland ein kulinarisches Fachwörterbuch in Gebärdensprache erstellt — die erste Studie ihrer Art in diesem Bereich.

Wir haben dieses Projekt für gehörlose und schwerhörige Menschen ins Leben gerufen, die eine Berufsausbildung im Bereich Gastronomie absolvieren wollten, bereits in diesem Bereich tätig waren oder ihre Fähigkeiten verbessern wollten. Unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten Zugang zu einem vollständig kostenlosen Lernsystem in ihrer eigenen Muttersprache — der Gebärdensprache — wann und wo immer sie wollten. Sie hatten die Möglichkeit, die Gebärdensprachen anderer Länder kennenzulernen, sowie die Gelegenheit, an nationalen und internationalen Kochwettbewerben teilzunehmen.

Im Verlauf des Projekts haben mehr als hundert gehörlose und schwerhörige Personen sowie mehr als zweihundert hörende Personen unser Fernlehrprogramm abgeschlossen. Wir haben unser System an drei Berufsschulen und einer Hochschule eingeführt, wo es von Studierenden als Online-Kursmaterial genutzt wurde. An den Sensibilisierungs- und Verbreitungsveranstaltungen, die wir in fünf Ländern durchgeführt haben, nahmen mehr als 150 Personen teil. Im Laufe des Projekts entstand zudem eine starke Zusammenarbeit zwischen unseren Partnerorganisationen. Wir haben die nationale und internationale Zusammenarbeit in den Bereichen Berufsbildung, Gebärdensprachforschung, Wörterbuchentwicklung und Fernlernsysteme gestärkt und neue Verbindungen zu lokalen Behörden, Institutionen, Kommunen und NGOs aufgebaut.

Unser Projekt hat zur sprachlichen Vielfalt Europas, zum interkulturellen Verständnis und zur Steigerung der Qualität des Gebärdensprachunterrichts beigetragen. Wir haben dazu beigetragen, Europas kulinarisches Erbe sichtbarer zu machen, und benachteiligten Gruppen einen besseren Zugang dazu ermöglicht. Zudem haben wir ein Beispiel für künftige Arbeiten im Bereich der digitalen Transformation und der inklusiven Berufsbildung gesetzt. Unser Projekt ist nun abgeschlossen, aber wir haben nicht vor, hier aufzuhören. Um diese Ergebnisse in neue Länder zu übertragen, planen wir ein Transfer-of-Innovation-Projekt mit drei neuen Partnern.

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